Decals, Wasserschiebefolie, Abziehbilder und was es sonst noch so gibt

 

Was sind eigentlich Decals? Man nennt sie auch Wasserschiebefolien oder Nassschiebefolien. Jeder, der schon einmal einen Plastikmodellbausatz in den Händen gehalten hat, kennt diese Wasserschiebefolien. Sie werden kurz in Wasser getaucht, dann auf dem Modell in Position geschoben, kurz abgetupft und schon geben sie dem Modell den letzten Schliff. Diese „professionellen“ Wasserabschiebefolien werden in einem aufwendigen Siebdruck hergestellt. Siebdruck steht aber im Allgemeinen einem Modellbauer nicht zur Verfügung und ist für einen einzelnen A4-Bogen einfach unbezahlbar.

Was soll man jetzt aber tun um sein Modell mit individuellen Aufklebern oder nach einer Umlackierung wieder mit Aufklebern oder Schriftzügen zu verzieren?

 

Zuerst einmal muss der Aufkleber auf's Papier gebracht werden. Dazu gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten.

 

  1. Man verwendet Bilder (Bitmaps oder Pixelgrafiken)

  2. Man verwendet Vektorgrafiken

 

Der einfachste Weg ist ein Bitmap zu verwenden, also im einfachsten Fall ein Foto. Das hat aber den großen Nachteil, dass das Foto nur in der Größe verwendet werden kann, in der es aufgenommen wurde. Eine Vergrößerung führt zu einer „Verpixelung“, die so weit gehen kann, dass das Bild völlig unbrauchbar wird. Eine Verkleinerung führt dazu, dass ab einer bestimmten Größe nichts mehr zu erkennen ist. Man erkennt nur noch einen Farbklecks.

 

Wesentlich eleganter und auch effizienter ist es eine Vektorgrafik zu erzeugen. Vektorgrafiken kann man (fast) beliebig vergrößern und verkleinern und man erkennt das Logo oder das Symbol immer noch. Man muss allerdings einiges an Arbeit in die Erstellung stecken. Alles braucht nur einmal hergestellt werden und kann dann mehrmals verwendet werden. Die Farben können schnell ausgetauscht werden, die Größe kann schnell verändert werden und aus dem Logo können beliebige Teile entnommen und in anderen Logos eingebaut werden.

 

Wie kann man nun Vektorgrafiken erzeugen? Man braucht die richtige Software dafür. Am bekanntesten ist sicherlich der größte „Klopper“, Adobe Illustrator, in verschieden Versionen, aus den unterschiedlichen Adobe Suiten. Als Alternative dazu gibt es Corel Paint Shop Pro. Preiswerter als der große Bruder von Adobe ist es allemal. Als Open Source Lösung und somit kostenfrei, bietet sich Inkscape an. Welches Programm das Beste, das tollste und am einfachsten zu bedienen ist, muss jeder für sich selber entscheiden. Allen ist gleich, das man sich intensiv einarbeiten muss. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass so mache Stunde verfliegt bis man ein vorzeigbares Ergebnis erhält.

 

So, die Software ist ausgewählt, wie geht es jetzt weiter?

 

Zuerst muss eine Vorlage her, von der man das gewünscht Logo, den Schriftzug oder einen beliebigen Aufkleber entwickeln kann. Bei selbst entworfenen Aufklebern ist es einfach. Man kann seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen und sich selber etwas ausdenken.

Erste Anlaufstelle für Vorlagen ist das Internet. Auf den Herstellerseiten kann man Glück haben und ein entsprechendes Logo finden das man als Vorlage nutzen kann. Gibt es das nicht, muss nach Grafiken gesucht werden. Findet man hier auch nichts, bleibt eigentlich nur übrig den Aufkleber von einem Modell ab zu fotografieren und nach zu bearbeiten.

Leider liegen diese Vorlagen nur in den seltensten Fällen bereits als Vektorgrafik vor. Meist handelt es sich hier um Bitmaps oder Dateien im JPEG-Format. Man kann diese Vorlagen einfach nachzeichnen, das geht am besten bei einfachen Formen, oder man greift auf die Tools der oben genannten Programme zurück. Dort gibt es die sogenannten „Nachzeichner“, die in der Lage sind beliebige Formen nach zu zeichnen und in eine Vektorgrafik zu konvertieren. Man muss allerdings mit den Einstellungen in wenig experimentieren um ein gutes Ergebnis zu erzielen und möglichst wenig nachzuarbeiten. Wenn das Nacharbeiten beendet ist, noch schnell die richtige Farbe an die richtigen Stellen platziert und fertig. Hört sich einfacher an, als es in Wirklichkeit ist.

 

Hier mal einige Beispiele von Logos:

Beispiel Decals

Selbst erstellter Aufkleber für Ro&Ho

 

Beispiel Decals Diesen Aufkleber gibt es in verschiedenen Größen. Es ist immer der gleiche Aufkleber nur die Größe wird variiert.

 

Beispiel DecalsDieser Aufkleber wurde nach einem Original entwickelt.

 

Beispiel DecalsDer Aufkleber Ro&Ho in ganz groß auf dem umgebauten Samson Güllefaß.

 

Beispiel DecalsHier die dem Original nachempfunden Aufkleber, die nach dem Umbau wieder auf das Güllefaß gekommen sind.

 

Beispiel Decals

Aufkleber noch auf dem Trägermaterial. Die schwarze Umrandung dient als Schnittkante. Die Aufkleber sind im Original ca. 50 mm lang.

 

Beispiel Decals

Diese Aufkleber wurden für eine Umlackierung benötigt. Sie sind noch auf der Trägerschicht. Das Bild zeigt sie größer als sie im Original sind.

 

Beispiel Decals

Diese Aufkleber sind auf weißer Trägerfolie aufgebracht. Die schwarze Umrandung dient als Schnittkante. Größe der unteren Aufkleber 30x8 mm.

 

Hat man das Logo (endlich) fertig, stellt sich die Frage: Wie bringe ich das Logo zu Papier bzw. auf die Folie?

 

Auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Der einfachste Weg ist mit Abziehfolie (selbstklebende Folie) zu Arbeiten. Diese kann am besten mit einem Laserdrucker bedruckt werden. Hat man selber keinen Laserdrucker der farbig drucken kann, helfen hier Copy-Shops. Von Tintenstrahldruckern rate ich ab, da nicht alle Tinte wischfest ist und es wäre schade wenn nach einiger Zeit nur noch Fragmente übrig geblieben sind und die auch noch stark verblasst sind, da das Modell einen sonnigen Platz in der Vitrine bekommen hat. Außerdem ist die Abziehfolie recht dick und trägt auf den Modellen ordentlich auf.

 

Wir haben uns entschieden unsere Logos auf Wasserschiebefolien zu drucken, bzw. drucken zu lassen. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Folien. Durchsichtige Folien und weiße Folien. Welche Folie man nutzt hängt vom Anwendungsfall ab.

 

Nachteil der weißen Folie: Dort wo nichts gedruckt wird, befindet sich eine weiße Fläche.

 

Nachteil der transparenten Folie: In Abhängigkeit vom Hintergrund auf dem das Decal aufgebracht werden soll, wird die Vordergrundfarbe eventuell verfälscht. Dieses Problem kennt jeder, der schon mal mit Overheadfolien gearbeitet hat. Gelbe Farbe auf die Folie aufgetragen und die Folie auf einen dunklen Hintergrund gelegt, lässt Gelb nicht mehr so richtig Gelb erscheinen. Genau das passiert natürlich auch bei den Decals. Hierfür gibt es allerdings Lösungen von professionellen Druckanbietern. Es werden zwei Schichten Farbe aufgetragen. Zuerst wird eine weiße Grundierung aufgetragen und darauf dann die „richtige“ Farbe. Damit wird verhindert, dass die Hintergrundfarbe durchscheint. Mit diesem Verfahren ist man auch in der Lage Weiß zu drucken.

Auch bei den Wasserschiebefolien gibt es neben diesem hochwertigen Verfahren (weiße Grundierung nur hinter dem Logo) die Möglichkeit mit normalen Tintenstrahldruckern und Laserdruckern die Folie zu bedrucken. Normale Tinte und Wasser passen allerdings nicht zusammen. Aus diesem Grund muss nach dem bedrucken die Tinte noch einmal „versiegelt“ werden. Dazu gibt es spezielle Primer. Die Qualität der mit dem Tintenstrahlducker erstellten Folien ist von den drei Möglichkeiten die Schlechteste.

Farblaserdrucker bieten sich an, wenn auf weiße Folie gedruckt wird. Dann ist dieses Verfahren unproblematisch und qualitativ hochwertig. Nur weiße Schrift oder weiße Symbole sind damit nicht zu realisieren.

Beste Ergebnisse gibt es bei dem Spezialdruck mit weißem Hintergrund. Leider auch das teuerste Verfahren. Für einen Bogen DIN A4 muss man zwischen 20 und 28 Euro anlegen. Damit hat man aber auch super Qualität (siehe dazu unsere Beispiele).

Hier zwei aktuelle Beispiele mit dem neuen UV-Druck. Die Qualität dieser Wasserschiebefolien ist einfach hervorragend. Bei den beiden Bildern handelt es sich um Makroaufnahmen.

 

Neue Decals

Neue Decals

Die Folie selber ist nur noch 7 mikrometer dick. Dadurch kann man die Ränder aus einem Abstand von mehr als 10 cm kaum noch sehen. Auf dem zweiten Bild sind die Janssen-Aufkleber und das Nummernschild als Wasserschiebefolie ausgeführt.

 

Zwei Tipps zum Abschluss :

Um eine Wasserschiebefolie möglichst blasenfrei auf das Modell legen zu können, eine geringe Menge Spülmittel in das Wasser tun.

Muss die Folie über Kanten gelegt werden, hilft ein Weichmacher um die Folie ohne störende Lufteinschlüsse, möglichst eng, auf das Modell aufbringen zu können.